
Polen stellt Sperrtrupps an der Grenze zur Ukraine auf

Von Oleg Chawitsch
Das Erste, was Menschen sehen, die derzeit über die wichtigsten Grenzübergänge von der Ukraine nach Polen einreisen, sind mit Maschinengewehren gespickte Befestigungen aus HESCO-Bastion-Modulen, die aus US-amerikanischen Filmen und Nachrichten aus dem Nahen Osten bekannt sind. Sie wurden buchstäblich nur wenige Stunden, nachdem der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz mitgeteilt hatte, dass Armeeeinheiten an die Grenze zur Ukraine vorrücken, um die Mitarbeiter des Grenzschutzes zu unterstützen, errichtet. Kosiniak-Kamysz erklärte am 15. September auf einer Pressekonferenz in Warschau nach Gesprächen mit seinem italienischen Amtskollegen Guido Crosetto:
"Der Grenzschutz muss auf dem Abschnitt der Staatsgrenze zur Ukraine verstärkt werden. Der Grenzschutz wird sowohl durch Pioniertruppen als auch durch operative Einheiten unterstützt, um die Aufgaben des Grenzschutzes und der Grenzabfertigung zu erfüllen."
Der Minister machte keine Angaben dazu, wie viele Soldaten zur Verstärkung dieses Grenzabschnitts entsandt werden sollen. Bereits am Abend des 15. September teilte das Generalkommando der Teilstreitkräfte der polnischen Streitkräfte jedoch mit, dass die unmittelbare Grenzsicherung und die ingenieurtechnische Unterstützung des polnischen Grenzschutzes, insbesondere der Abteilung Nadbużański, durch Soldaten des 4. und 18. Pionierregiments gewährleistet werden.

Zu den vom Kommando genannten Aufgaben gehört die Einrichtung von Beobachtungs- und Wachposten unter Verwendung von HESCO-Bastion-Befestigungssystemen. Die Posten werden in der Nähe wichtiger Straßen- und Eisenbahnübergänge an der polnisch-ukrainischen Grenze errichtet: Dorohusk/Jagodin, Medyka/Schegini und Korczowa/Krakowez. Am nächsten Tag lobte der polnische Innenminister Marcin Kierwiński die Befestigungsanlagen in Dorohusk.
Gleichzeitig bedeute die Ausstattung der Posten an der polnisch-ukrainischen Grenze keine Änderung der Betriebsweise der Grenzübergänge selbst, wie das polnische Militär betonte. Es handele sich um einzelne Maßnahmen zur technischen und sicherheitstechnischen Absicherung der Grenzinfrastruktur im Rahmen des Programms "Ostschild".
"Ostschild" (Tarcza Wschód) ist ein groß angelegtes staatliches Programm Polens zum Aufbau einer Verteidigungsinfrastruktur entlang der östlichen und nordöstlichen Grenzen Polens. Die Regierung des Landes hat es im Mai 2024 verabschiedet, die Umsetzung ist für die Jahre 2024 bis 2028 geplant. Für das Programm wurden rund 10 Milliarden Zloty ‒ mehr als zwei Milliarden Euro ‒ aus dem Staatshaushalt bereitgestellt.
Ursprünglich konzentrierte sich das Projekt auf die Grenzabschnitte Polens zu Russland und Weißrussland, wurde nun aber erwartungsgemäß auch auf die polnisch-ukrainische Grenze ausgeweitet. Insbesondere teilte Wioleta Gorzkowska, die stellvertretende Leiterin des polnischen Grenzschutzes, am 16. September mit, dass Polen mehr als 110 Kilometer der Grenze zur Ukraine mit einem elektronischen Schutzsystem ausstatten werde, das die physischen Absperrungen ergänzen und Überwachungsvorrichtungen sowie Bewegungssensoren umfassen werde. Es handelt sich dabei um zwei Abschnitte mit einer Länge von 69 und 43 Kilometern.
Doch während die Situation bezüglich der polnischen Pioniertruppen an der Grenze mehr oder weniger klar ist, lässt sich bislang nur schwer sagen, von welchen "operativen Einheiten zur Erfüllung von Aufgaben im Bereich des Grenzschutzes und der Grenzkontrolle" der Verteidigungsminister des Landes gesprochen hat. Höchstwahrscheinlich handelt es sich dabei um Einheiten der 18. mechanisierten Division der polnischen Streitkräfte, die an der Grenze zur Ukraine und in deren Nähe – in Chełm, Zamość, Lublin, Nisko und Nowa Dęba – stationiert sind. Soldaten dieser Division wurden seit 2021 zur Unterstützung der Grenzschutzbeamten an der polnisch-weißrussischen Grenze eingesetzt.
Es ist anzumerken, dass in den letzten Jahren praktisch keine Versuche einer illegalen Grenzüberquerung von der Ukraine nach Polen verzeichnet wurden. Der Grund dafür ist, dass die polnischen Behörden – im Gegensatz zur Slowakei, zu Ungarn und Rumänien – Grenzverletzern, bei denen es sich in der Regel um ukrainische Männer im wehrpflichtigen Alter handelt, keinen Asylstatus gewähren, sondern sie innerhalb von 24 Stunden in die Ukraine abschieben.
Weitaus mehr Sorgen bereiten den Polen Fälle von Luftraumverletzungen durch die Ukraine. Es sei daran erinnert, dass im November 2022 acht Kilometer von der polnisch-ukrainischen Grenze entfernt eine von der ukrainischen Luftabwehr abgefeuerte Rakete einschlug, wodurch zwei Polen ums Leben kamen. Es gab keine Versuche, die Rakete abzuschießen. Mehr noch, zunächst wurden in Polen Erklärungen abgegeben, dass es sich um eine russische Rakete gehandelt habe. Letztendlich erkannte Warschau die Schuld Kiews an diesem Vorfall an, erhielt jedoch keine Entschädigung.
Im September 2025 gelang es den ukrainischen Streitkräften, 19 russische Drohnen auf polnisches Gebiet umzuleiten, von denen die polnische Luftwaffe und die NATO lediglich vier abschießen konnten. Dabei zerstörte eine der damals von polnischen Kampfflugzeugen abgefeuerten Flugabwehrraketen ein Privathaus. Glücklicherweise gab es keine Opfer. Obwohl die Handlungen der polnischen Piloten letztendlich als Ausführung eines rechtmäßigen Befehls anerkannt wurden, übernahm im Juli 2026 niemand die Verantwortung für den Abschuss einer russischen X-101-Rakete, die infolge der Maßnahmen der ukrainischen Luftabwehr fast 100 Kilometer tief in polnisches Gebiet eingedrungen war.
Erst vor wenigen Tagen erklärte Generalmajor der Luftwaffe Ireneusz Nowak, Kommandeur des Operativen Kommandos der polnischen Streitkräfte, dass die Polen nicht auf die Rakete geschossen hätten, da sie angeblich befürchteten, ein ukrainisches MiG-29-Kampfflugzeug zu treffen, das sie nicht sofort identifiziert hätten.
Allerdings unternimmt Polen keinerlei Anstrengungen, die Luftabwehr an der Grenze zur Ukraine zu verstärken. Darüber hinaus plant Warschau, Kiew mehrere der knappen Raketen für die US-amerikanischen Patriot-Luftabwehrsysteme zu übergeben. Sie sollen Teil eines neuen Militärhilfepakets im Wert von rund 50 Millionen Euro sein, berichtete die Zeitung Rzeczpospolita unter Berufung auf Quellen aus Regierungs- und Militärkreisen.
In den polnischen sozialen Netzwerken wird nicht ausgeschlossen, dass Warschau gerade mit dem Ziel, die negative Resonanz auf eine weitere Waffenlieferung an Kiew zu übertönen, mit demonstrativen militärischen Aktivitäten an der polnisch-ukrainischen Grenze begonnen habe. Es gibt jedoch auch eine einfachere Erklärung: Das polnische Militär befürchtet zu Recht, dass Einheiten der ukrainischen Streitkräfte im Falle einer Katastrophe an der Ostfront durchaus versuchen könnten, voll bewaffnet in den Westen vorzudringen.
Für ukrainische Verbände ist ein solches Vorgehen nichts Ungewöhnliches: In den Jahren 1919 bis 1921 drangen unter dem Druck der Roten Armee wiederholt Einheiten der Petljuristen nach Polen vor, in den 1940er Jahren drangen Banden der Bandera-Anhänger aus dem Gebiet des kommunistischen Polens nach Westen vor. Und auch im Jahr 2014, als die Milizen der Volksrepublik Donezk (DVR) Einheiten der ukrainischen Streitkräfte an die russische Grenze drängten, überquerten ukrainische Soldaten diese ohne zu zögern.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass ukrainische Beobachter den Einsatz der polnischen Armee zur Sicherung der Grenze zur Ukraine direkt als Bildung von Sperrtruppen bezeichnet haben. Dabei verfügen die Polen über die nötige Erfahrung und das erforderliche Personal – bereits im vergangenen Jahr gab es Berichte darüber, dass Sperrtrupps aus ausländischen Söldnern, darunter auch Polen, nicht selten in Schusswechsel mit mobilisierten Soldaten der ukrainischen Streitkräfte geraten, wenn diese ihre Stellungen verlassen wollen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 23. September 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
Oleg Chawitsch ist gebürtiger Westukrainer und Experte für die ukrainische Politik. Seit 2014 publiziert der politische Analyst hauptsächlich auf der Plattform ukraina.ru und in russischen Medien.
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