Meinung

USA schaffen es nicht, den globalen Süden von "Selenskijs Friedensformel" zu überzeugen

Washington und Kiew organisieren in Kopenhagen ein Diplomatentreffen zur Besprechung einer friedlichen Lösung der Ukraine-Krise. Auch nichtwestliche Staaten sind dabei, ihre Teilnahme bedeutet allerdings nicht, dass sie gegen Russland und für den Westen Partei ergreifen.
USA schaffen es nicht, den globalen Süden von "Selenskijs Friedensformel" zu überzeugenQuelle: AFP © Martin Sylvest

Von Pjotr Akopow

Am vergangenen Wochenende hat im Gebäude des dänischen Außenministeriums in Kopenhagen ein sehr merkwürdiges Treffen stattgefunden – die USA und die Ukraine versammelten Vertreter von 13 weiteren Staaten zu geheimen Verhandlungen. Der Organisator des Treffens, Jake Sullivan, der Berater des US-Präsidenten, war nur virtuell über eine Videokonferenz anwesend, während Kiew vom Oberhaupt des Präsidialamts, Andrei Jermak, vertreten wurde. Zum Ziel des Treffens wurde erklärt, eine Besprechung von Prinzipien der friedlichen Regulierung in der Ukraine durchzuführen – natürlich nach amerikanisch-ukrainischem Szenario.

Kiew hatte schon längst einen "genialen Plan" entworfen, nämlich einen "globalen Friedensgipfel", bei dem Szenarien der Beendigung der Kampfhandlungen ausgearbeitet werden sollen. Auf welcher Grundlage und mit wem? Natürlich auf Grundlage der sogenannten Selenskij-Formel und ohne Anwesenheit Russlands. Was der Sinn von Verhandlungen ohne die Teilnahme einer der Konfliktparteien ist? Selbstverständlich liegt er im propagandistischen Effekt, um zu zeigen, dass die ganze Welt Russland gegenüberstehe und dass Putin isoliert sei. Bezüglich des Datums eines solchen Gipfels ist noch nichts bekannt, jedoch gab es Leaks, wonach er noch in den ersten Juliwochen stattfinden solle.

Diese westlichen und ukrainischen Pläne könnten getrost ignoriert werden, wäre da nicht die Tatsache, dass sie beharrlich die Sache so versuchen darzustellen, als ob die Hauptfiguren der nichtwestlichen Welt an dieser Veranstaltung teilnehmen würden. So wurden auch vor dem Treffen in Kopenhagen Gerüchte gestreut, dass dort China vertreten sein werde. Es wurde also ein gewöhnlicher Informationsangriff auf Russland ausgeführt. Natürlich gab es keine Vertreter der Volksrepublik in Kopenhagen. Aber wer war da?

Es gibt keine offizielle Liste, doch aus den bisherigen Meldungen geht hervor, dass die USA, die Ukraine, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Dänemark, die EU, Kanada, die Türkei, Saudi-Arabien, Brasilien, Indien und die Südafrikanische Republik vertreten waren. Das heißt, ganze vier Länder des globalen Südens und ein NATO-Staat, der eine selbstständige Position einnimmt, nämlich die Türkei. Dabei sind drei der vier nichtwestlichen Länder BRICS-Mitglieder und damit enge Partner von Russland und China. Bedeutet dies, dass es dem Westen gelang, den Großteil von BRICS und eine der Führungsmächte der islamischen Welt, Saudi-Arabien, auf seine Seite zu ziehen?

Natürlich nicht. Sogar Angaben über die Teilnahme der Südafrikanischen Republik an diesem Treffen wurden nicht bestätigt, es erschienen bereits entsprechende Gegenerklärungen. Indien, dessen Ministerpräsident Modi gerade seinen Besuch in den USA beendete, spricht bei jeder Gelegenheit über die Unterstützung einer friedlichen Lösung in der Ukraine, genauso wie es Brasiliens Präsident Lula tut. Damit sind für diese beiden Länder Gespräche über die Suche nach einer Friedenslösung mit Kiew und dem Westen ganz natürlich, doch bedeutet dies keineswegs, dass sie sich den antirussischen Sanktionen oder dem politischen Druck gegen Russland anschließen wollen. Im Juli wird ein Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit im virtuellen Format stattfinden, und im August werden sich die Oberhäupter der BRICS-Länder in Südafrika versammeln. Somit werden die Staatschefs von Indien und Brasilien die Gelegenheit erhalten, mit Wladimir Putin alle Fragen von Krieg und Frieden sowie Russlands Verhältnis zu Verhandlungen zu diskutieren.

Saudi-Arabien nimmt unter der Führung des Prinzen Mohammed bin Salman eine ganz eigenständige Position ein und unterhält Beziehungen sowohl zum Westen als auch zu Russland. Dabei wurde die gemeinsame Tendenz einer allmählichen Distanzierung von den USA, die seit einigen Jahren zu beobachten war, mit dem Beginn der russischen speziellen Militäroperation keineswegs schwächer, und Verbindungen zu Russland und die Koordination von Handlungen, etwa auf dem Ölmarkt, bleiben auf hohem Niveau.

Genauso wenig hat Erdoğans Türkei vor, auf die äußerst günstige Lage zwischen Russland und dem Westen zu verzichten. Diese Position nimmt sie seit Langem ein, und in den letzten anderthalb Jahren wurde die Türkei sogar zu einem der größten Nutznießer von der Konfrontation zwischen den USA und Russland.

Somit haben die wichtigen nichtwestlichen Staaten nichts dagegen, mit dem Westen über eine Beendigung des Konflikts in der Ukraine zu sprechen. Allerdings kann von einer Zusammenarbeit mit dem Westen in seinem Konflikt mit Russland wegen der Ukraine keine Rede sein. Der globale Süden beobachtet aufmerksam den Verlauf der Ereignisse. In Worten verurteilt er den Krieg und fordert Frieden, doch in der Realität rechnet er damit, dass Russland nicht nur aushält, sondern als Sieger hervorgeht. Und zwar nicht nur aus dem militärischen Konflikt mit der Ukraine, sondern auch aus der geopolitischen Konfrontation mit dem Westen. Denn nur die Anwesenheit eines starken und unabhängigen Russlands gibt der Welt eine Chance darauf, dass der begonnene Übergang zur postwestlichen Weltordnung erfolgreich sein wird.

Übersetzt aus dem Russischen und zuerst erschienen bei RIA Nowosti.

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