International

Gescheiterte Offensive schreckt Söldner ab – Kiew weltweit auf Rekrutierungstour

Misserfolg bei der Gegenoffensive bringt Kiew ein weiteres Problem. Immer weniger Söldner aus europäischen Staaten wollen auf Seite der Ukraine kämpfen. Kiew versucht nun, Kämpfer aus anderen Teilen der Welt zu rekrutieren – mit zweifelhaften Erfolgsaussichten.
Gescheiterte Offensive schreckt Söldner ab – Kiew weltweit auf RekrutierungstourQuelle: AFP © SERGEI SUPINSKY

Von Ilja Abramow

Am Montag gab Russlands Verteidigungsministerium auf Telegram bekannt, dass die Ukraine begonnen hat, Söldner aus mehreren Staaten Asiens, Lateinamerikas und des Nahen Ostens anzuwerben. Hiermit versuche das ukrainische Kommando, die durch die gescheiterte Offensive und bei schweren Kämpfen auf den Schlachtfeldern entstandenen hohen Verluste des eigenen Militärs auszugleichen.

Nach Angaben des Ministeriums beabsichtige Kiew, Söldner aus Argentinien, Brasilien, Afghanistan, Irak sowie aus den von den USA kontrollierten Gebieten Syriens anzuwerben. Die Arbeit mit den künftigen Kämpfern werde über ukrainische Auslandsvertretungen mit Unterstützung westlicher Geheimdienste und den ihnen unterstellten privaten Militärunternehmen koordiniert.

Darüber hinaus bemerkte das Verteidigungsministerium ein schwindendes Interesse am Dienst beim ukrainischen Militär in Polen, Großbritannien und weiteren europäischen Staaten. Nach Informationen, die von ukrainischen Kriegsgefangenen stammen, werden ukrainische Kommandeure für Verluste unter Söldnern nicht zur Verantwortung gezogen. Ausländer werden als erste in sogenannte "Fleischstürme" geschickt und als letzte vom Schlachtfeld evakuiert. All dies sorge für einen nachlassenden Kampfgeist unter den Söldnern.

Insgesamt waren seit dem 24. Februar 2022 offiziell 11.675 ausländische Söldner aus 84 Staaten zur Teilnahme an Kampfhandlungen aufseiten der Ukraine in das Land eingereist. Der Großteil davon kam im März und April 2022, doch nach den ersten Verlusten fiel die Zahl der Ankömmlinge rapide.

Die zahlreichsten Gruppen kamen aus Polen (über 2.600 Personen), den USA und Kanada (über 900 Personen), Georgien (über 800 Personen), Großbritannien und Rumänien (jeweils über 700 Personen), Kroatien (über 300 Personen) sowie aus Frankreich und dem von der Türkei kontrollierten Gebiet Syriens (jeweils über 200 Personen).

Nach dem Stand vom 30. Juni wurden nach gesicherten Angaben 4.845 ausländische Söldner aus den USA, Kanada und europäischen Staaten bei Kämpfen getötet. Weitere 4.801 ausländische Söldner flohen aus der Ukraine. Aktuell kämpfen in den Reihen des ukrainischen Militärs 2.029 Söldner.

Zuvor ist bekannt geworden, dass die CIA begonnen hat, Kämpfer aus Kurdistan in die Reihen des ukrainischen Militärs anzuwerben. Dazu würden Verhandlungen mit Vertretern der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) geführt. Den Kämpfern würden etwa 2.000 US-Dollar pro Monat angeboten, heißt es.

Angaben der türkischen Presse zufolge kämpfen Mitglieder der YPG in der Ukraine seit dem Frühling 2022. Ab 2014 hätten diese Erfahrung beim Kampf gegen den IS gesammelt. Nach Ansicht Ankaras stelle die YPG eine terroristische Organisation dar. Westliche Experten schätzen, dass sich in der Ukraine 1.000 bis 2.000 Angehörige der Gruppierung befinden könnten.

"Die Ukraine kann heute niemanden selbst anwerben, denn sie hat keine Mittel dazu. Deswegen werben stattdessen ihre Verbündeten, darunter die USA, neue Söldner an", erklärt der Militärexperte Alexandr Artamonow. Er führte weiter aus:

"Gegen die russischen Streitkräfte in der Ukraine könnten private Militärunternehmen wie etwa das britische G4S eingesetzt werden. Darüber hinaus ist der Einsatz von Kämpfern aus terroristischen Organisationen wie ISIS wahrscheinlich. Sie können kämpfen und können im Kampf gegen uns eingesetzt werden."

"Außerdem sehe ich noch kein sinkendes Interesse am Dienst beim ukrainischen Militär bei den Bürgern osteuropäischer Staaten. Beispielsweise halten einige Polen die Ukraine bereits für eigenes Territorium und sind deswegen bereit, weiterzukämpfen. Folglich sollte man meiner Einschätzung nach nicht erwarten, dass sich der Zufluss von Söldnern aus dieser Region verringert", so Artamonow.

Eine etwas andere Ansicht vertritt der Militärexperte Wassili Dandykin. Seiner Meinung nach sickert reale Information über die Misserfolge des ukrainischen Militärs in westliche Medien durch, weswegen viele Söldner beschließen, auf eine Teilnahme an Kämpfen aufseiten der Ukraine zu verzichten.

"Andererseits, wenn man etwa das Beispiel Polen betrachtet, werden dort hauptsächlich aktive Angehörige der polnischen Armee als Söldner angeworben. Darüber hinaus wissen wir, wie russophob die Politik der Warschauer Regierung ist. Deswegen wird sich der Zufluss von Söldnern aus Polen in die Ukraine fortsetzen, wenn auch in anderen Maßstäben," vermutet Dandykin.

"Zu Beginn unserer Militäroperation gab es um ein Vielfaches mehr ausländische Söldner an der Frontlinie. Doch Präzisionsangriffe unserer Streitkräfte, darunter auf ihre Unterkünfte, änderten diese Situation beträchtlich. All das lässt sich trotz der einseitigen Berichterstattung in den westlichen Medien schwer verbergen."

"Ausländische Kämpfer kommunizieren untereinander mit Kameraden aus anderen Einheiten und erfahren die Wahrheit. Darüber hinaus sind sie mit dem Verhalten der ukrainischen Militärs ihnen gegenüber nicht immer zufrieden. Hier spielen mehrere Faktoren, darunter ganz alltägliche, eine Rolle. Deswegen versucht die Ukraine alles, um Söldner aus unterschiedlichen Regionen der Welt anzuwerben."

"Dennoch denke ich nicht, dass es der Ukraine gelingt, eine beträchtliche Anzahl von lateinamerikanischen Staatsbürgern zu rekrutieren. Der Großteil der Länder dieser Region entweder unterstützt Russland oder nimmt eine Haltung der freundlichen Neutralität ein. Ich halte es für möglich, dass das ukrainische Militär mit Unterstützung westlicher Geheimdienste eine gewisse Anzahl von Personen anwerben kann, doch wird es sich um Hunderte und nicht um Tausende handeln", schätzt Dandykin.

Übersetzt aus dem Russischen und zuerst erschienen bei Wsgljad.

Mehr zum Thema: Die düstere Realität des Dienstes in der ukrainischen Internationalen Legion

RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.