Europa

15-Jahres-Tief bei Gasreserven: Europa vor Heizsaison unter Druck

Die europäischen Gasspeicher könnten vor der Heizsaison den niedrigsten Stand seit 15 Jahren erreichen. Wie die brittische Zeitung "Financial Times" berichtet, setzen Lieferengpässe und geopolitische Spannungen die Versorgung zusätzlich unter Druck.
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Europa könnte in die kommende Heizsaison mit den niedrigsten Gasreserven seit 15 Jahren starten. Das könnte in diesem Winter zu steigenden Preisen für Unternehmen und Haushalte führen, berichtet die britische Wirtschaftszeitung  Financial Times (FT).

Laut Prognosen des internationalen Analyse- und Beratungsunternehmens Wood Mackenzie werden die europäischen Gasspeicher bis zum Ende der Einspeisesaison, die von April bis Oktober dauert, nur zu etwa 76 Prozent gefüllt sein – der niedrigste Wert seit 2011. Eine der Hauptursachen für die Knappheit ist der Konflikt zwischen den USA und Iran, der die Flüssiggaslieferungen durch die Straße von Hormus unterbrochen hat. Hinzu kommen Produktionsrückgänge in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Verschärft wird die Lage zudem durch das geplante vollständige Importverbot der EU für russisches LNG ab dem 1. Januar, das derzeit rund 14 Prozent der europäischen Lieferungen ausmacht.

Expertinnen und Experten von Wood Mackenzie erwarten, dass die Gaspreise mit Beginn der Heizperiode steigen werden, insbesondere bei kaltem Wetter Anfang 2027. Natasha Fielding, Analystin bei dem Analyseunternehmen Argus Media warnte, je länger die eingeschränkten LNG-Lieferungen andauerten, desto geringer seien die Speicherstände vor dem Winter und desto höher sei das Risiko eines starken Preissprungs in der EU.

Wie die FT berichtet, sind die europäischen Gasspeicher nach einem kalten Winter mit nur 28 Prozent Füllstand in die neue Saison gestartet – deutlich unter dem Normalwert. Derzeit liegen sie laut Gas Infrastructure Europe im Durchschnitt bei 48 Prozent.

Im Januar hatte das US-amerikanische Nachrichtenportal Politico berichtet, dass Europa bereits ein Viertel seines Gases aus den USA importiert. Dieser Anteil könnte weiter steigen, da die EU ein vollständiges Importverbot für russisches Gas einführt. Einige EU-Diplomaten haben davor gewarnt, dass die USA die entstandene Energieabhängigkeit Europas nutzen könnten, um ihre außenpolitischen Ziele zu verfolgen.

Im Februar trat eine Verordnung in Kraft, die den vollständigen Importstopp für russisches Gas in die Europäische Union festlegt. Für bestehende Verträge gilt eine Übergangsfrist: Der Import von LNG aus Russland wird ab dem 1. Januar 2027 vollständig verboten, Pipeline-Gaslieferungen werden ab dem 30. September 2027 eingestellt.

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